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Von der Stadt zum Stadtstaat
Die Siedlung im Zentrum der Klosterherrschaft Murbach/Luzern, welche verkehrsgünstig am See und an der Reuss zugleich gelegen war, entwickelte sich um 1200 vom Markt zur Stadt. Als politischer und wirtschaftlicher Mittelpunkt zwischen dem Jura, dem unteren Aaretal, Brugg und dem Alpenrand gewann sie einige Bedeutung. Das lockere Herrschaftsgefüge des 13. Jahrhunderts ermöglichte eine eigene Entwicklung (1252 Geschworener Brief), die nach der Eingliederung in die grosse österreichische Landesherrschaft 1291 weiterwirkte. Das Streben nach Wahrung einer gewissen Eigenständigkeit zwang den Rat einige Jahre später zur Auseinandersetzung mit Habsburg, in deren Verlauf Luzern seine alten Reserven gegenüber den Nachbarn in den Alpentälern beiseiteschieben musste. Um die Unterstützung der drei Waldstätte zu erhalten, war die Stadt mehr oder weniger gezwungen, den Bund von 1332 zu schliessen. Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts lockerten sich die Bande zur Herrschaft Österreich zusehends rascher.
Seit dem 13. Jahrhundert hatten in der Stadt ansässige Ministerialen und Bürger Herrschaftslehen im Umkreis Luzerns inne. 1380 setzte mit dem Erwerb von Weggis eine eigentliche städtische Territorialpolitik ein, die mit den Erwerbungen im Sempacherkrieg (1386), der Übernahme des Amtes Willisau (1407) und der Eroberung des Aargaus (1415) die grössten Schübe erlebte. Bis um 1480 nahm die Stadt die letzten um Luzern gelegenen Vogteien, die bis anhin Privatbesitz einzelner Bürgerfamilien gewesen waren, in ihre eigenen Hände. 1579 folgte noch Knutwil, und 1803 erreichte der Kanton mit dem Tausch des Amtes Merenschwand (Aargau) gegen das Amt Hitzkirch seine heutige Ausdehnung. Das Staatsgebiet umfasste vor 1798 neben Stadt und Amt Luzern die beiden Landstädte Sempach und Sursee, welche innerhalb der Luzerner Landeshoheit relativ autonom blieben, die grossen, von Kleinräten regierten Landvogteien Willisau, Rothenburg, Entlebuch, Ruswil und Michelsamt, die kleinen, von Grossräten verwalteten Ämter Habsburg, Merenschwand, Büron/Triengen, Malters/Littau, Kriens/Horw, Weggis, Knutwil und Ebikon, ferner die Schlossvogtei Wikon und die Seevogtei Sempach.
Bevölkerung und Wirtschaft
Die Stadt Luzern erlebte in der Zeit der frühen Stadtentwicklung von etwa 1200 bis 1350 ein rasches Wachsen der Bevölkerung und wird schliesslich über 4000 Seelen gezählt haben. Im 15. Jahrhundert trat ein Rückgang ein, der um 1470 seinen Tiefpunkt erreicht haben dürfte. Erst um 1800 zählte Luzern wieder 4300 Einwohner. Die Zahl stieg bis 1850 auf 11'000 und strebte dann bis um 1960/1970 mit über 70'000 Einwohnern dem bisherigen Höchststand zu. Der gesamte Kanton dürfte um 1450, als die Bevölkerungsdichte der Landschaft stark verdünnt war, nur etwa 15'000–16'000 Einwohner gezählt haben. Doch dann wuchs die Zahl wieder an, erreichte 150 Jahre später rund 26'000 und um 1800 (mit Hitzkirch) über 90'000, 1850 133'000, 1900 146'500 Einwohner. In unserem Jahrhundert hat sie sich mehr als verdoppelt und erreichte 1991 326'000 Einwohner.
Die wirtschaftliche Struktur des Kantonsgebiets war bis an die Schwelle des letzten Jahrhunderts von der Landwirtschaft geprägt. Man unterschied bis etwa 1870/1880 drei Regionen, nämlich die Zone der Einzelhofsiedlungen mit vorwiegender Viehwirtschaft im Süden, den Gürtel des Feldgrasbaus in der Mitte und die Dorfsiedlungen mit ihrem Ackerbau im nördlichen Drittel des Kantons. Handwerk und Gewerbe entfalteten sich wie überall in den Städten. Auf der Landschaft entwickelten sie sich aus den bäuerlichen Nebengewerben, die sich erst im Ancien Régime verselbständigten und zünftische Organisationen hervorbrachten. Handel wurde vor allem in der Stadt Luzern betrieben, doch fallen die grössten Aktivitäten in die Zeit des ausgehenden 13. und frühen 14. Jahrhunderts, was mit dem erstmals spürbaren Aufschwung des Güterverkehrs über den Gotthard zusammenhing. Der Handel wie auch die handwerklichen Leistungen, die besonders in der Metallverarbeitung eine gewisse Bedeutung erreicht hatten, traten zurück, je mehr Ratsherren und Bürger in der Verwaltung des Territoriums Beschäftigung fanden.
Heimarbeit im Leinengewerbe, bald auch in der Baumwoll- und Seidenverarbeitung breitete sich im 17. und 18. Jahrhundert in den nördlich auslaufenden Tälern und im Entlebuch aus, wobei sich eine Schicht landschaftlicher Kleinverleger ausbildete, neben denen aber besser ausgestattete und grössere Verleger aus dem benachbarten Bern- oder nahen Zürichbiet arbeiten liessen. Auch der Luzerner Rat förderte die Heimarbeit, doch mit wenig Erfolg. Trotzdem erlangten mehrere selbständige Luzerner Verleger, die im 18. Jahrhundert in den Tälern um den Vierwaldstättersee Seidenfabrikation betrieben, einige Bedeutung