Test005
Nordamerika
Als älteste Kultur galt lange Zeit die Clovis-Kultur, doch spätestens die Funde in den Paisley-Höhlen, die rund ein Jahrtausend vor den Clovis-Funden liegen, sowie 2011 die Publikation des Buttermilk Creek Complex in Texas mit einem Alter von 15.500 bis 12.300 Jahren Before Present, zeigten, dass es bereits als pre-Clovis bezeichnete Vorgänger auf dem amerikanischen Kontinent gab und die Technologien der Clovis-Kultur vor Ort entwickelt und nicht etwa bereits aus Asien mitgebracht wurden. Die ältesten menschlichen Überreste lieferte die über 10.500 Jahre alte Buhl-Frau aus Idaho. An diese frühe Phase, die durch den Kennewick-Mann neu diskutiert werden musste, schloss sich die Archaische Periode an. An ihrem Ende zwischen 2000 und 1000 v. Chr. entwickelten sich der Gebrauch von Keramik, Ackerbau und verschiedene Formen abgestufter Sesshaftigkeit bis weit in den Norden. Die Jagdtechniken wurden durch Atlatl und später durch Pfeil und Bogen wesentlich verbessert. Während im Norden, wo Karibu- und Bisonherden die Ernährung sicherten, Jagdkulturen bestanden, spielte die Jagd im Süden eine immer geringere Rolle. Bevölkerungsverdichtungen traten um die Großen Seen, an der pazifischen Küste um Vancouver Island, am Mississippi und an der Atlantikküste sowie im Südwesten auf.
In Nordamerika existierten im Einzugsgebiet des Mississippi und des Ohio (Adena-Kultur, Mississippi-Kultur) komplexe Gemeinwesen (Templemound-Kulturen), die jedoch kurz vor Ankunft der ersten Europäer untergegangen sind. Im Südwesten entstanden Lehmbausiedlungen, die so genannten Pueblos. Diese Kultur ging auf die Basketmaker zurück, die bereits Mais anbauten. Um die Großen Seen entwickelten sich Großdörfer mit Palisaden und dauerhafte Konföderationen. Diese Gruppen betrieben, ähnlich wie im Westen, Mais- und Kürbisanbau sowie einen ausgedehnten Fernhandel – etwa mit Kupfer und bestimmten Gesteinsarten, die für Jagdwaffen und Schmuck von Bedeutung waren –, der sich in British Columbia bis 8000 v. Chr. nachweisen lässt.
Mittelamerika
Erste landwirtschaftliche Aktivitäten setzten in Mittelamerika etwa um 8000 v. Chr. ein. So züchteten die Bewohner Oaxacas Kürbisse, die jedoch nicht zur Ernährung, sondern für den Wassertransport von den Flussläufen zu ihren Höhlen in den Bergen gedacht waren. Die eigentliche Nahrungsbeschaffung erfolgte zunächst weiter durch Jagen und Sammeln.
In den wasserarmen Regionen entwickelte sich eine Bewässerungswirtschaft, was wiederum höhere Bevölkerungsdichten und komplexere Organisationsformen zuließ. In Yucatan entstand ab etwa 3000 v. Chr. eine auf größeren Siedlungen basierende Kultur, die zur vorklassischen Epoche der Maya-Kulturen gerechnet wird.
Die Ursprünge der Kultur der Olmeken, die oft als Träger der Mutterkultur Mesoamerikas angesehen wurden, reichen bis in die Zeit um 1500 v. Chr. zurück. Den Olmeken wird auch der früheste Beweis des Gebrauchs einer Schrift zugeschrieben, belegt durch den Fund eines Rollsiegels mit Schriftsymbolen, das auf 650 v. Chr. datiert wird.
Etwa um 500 bis 100 v. Chr. gründeten die Zapoteken ihre Hauptstadt Monte Albán (span. Weißer Berg). Viele Bauten der Stadt, wie Tempel, Pyramiden, Gräber etc., sind bis heute erhalten geblieben. Monte Albán ist UNESCO-Weltkulturerbe.
Eine der wichtigsten Metropolen der Maya wurde das zwischen dem 5. und dem 7. Jahrhundert erstmals aufblühende Chichén Itzá. Es entstand ein Netz miteinander verbundener Städte. Nach dem ungeklärten Zusammenbruch der Mayakultur im 10. Jahrhundert dominierten kulturell Tolteken die Stadt. Bei den Maya übernahm nun Tulúm an der Küste eine Führungsrolle.
Zwischen 100 und 600 n. Chr. war Teotihuacán das kulturelle, wirtschaftliche und Herrschaftszentrum Mesoamerikas. Seine Einwohnerzahl wird für die Zeit zwischen 450 und 650 auf bis zu 200.000 geschätzt, seine Fläche auf über 20 km². Großbauten, wie die Sonnenpyramide oder die Ciudadela, eine Art geschlossener Herrschaftsbezirk, entstanden. Die wirtschaftliche Basis der Stadt war neben der Bewässerungslandwirtschaft ein ausgedehnter Obsidianhandel; er reichte mindestens bis an die heutige Grenze zu den USA. Um 750 war die Metropole allerdings verlassen. Das zurückbleibende Machtvakuum füllten im 10. Jahrhundert erst wieder die Tolteken.
Diese wanderten ab dem 9. Jahrhundert in den Süden Mexikos ein und bildeten für zwei Jahrhunderte eine städtische Kultur, die allerdings von den stärker militärisch organisierten Chichimeken bedroht war, die gleichfalls aus dem Norden stammten.
Ende des 14. Jahrhunderts gelang es den Azteken, die sich selbst als Mexica bezeichneten, ein Großreich zu erobern. Ihre Wurzeln reichen wohl ins 11. Jahrhundert zurück. Die Hauptstadt Tenochtitlán hatte möglicherweise 150.000 Einwohner.